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Mein Irland

Sie suchen noch Anregungen? Planen Sie eine Reise? Oder wollen Sie sich einfach nur glücklich scrollen? Wir zeigen Ihnen ein Irland, das nur für Sie gemacht ist.

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    Und sie bewegt sich doch. Also: vielleicht.

    Oh, du wundervolles Irland! Völlig unerwartet kann die Sonne scheinen und die Fußballnationalmannschaft gewinnen. Warum sollen Heiligenstatuen dann den ganzen Tag still stehen?

    Setfan Nink

    Sie stand starr vor der Marienstatue auf der anderen Straßenseite, eine alte Frau, so klein und zerbrechlich, dass man Angst haben musste, die nächste Böe könne sie davon wehen, einfach so. Ich sah sie, als ich in den Pub bin, und ein Pint Guinness später stand sie immer noch genauso da. Sie hielt sich am Geländer vor der Statue fest, wahrscheinlich hatte sie das mit dem Wind auch bemerkt. Ob alles in Ordnung sei, wollte ich wissen. Sie sah mich mit wasserblauen Augen an, kurz nur, dann blickte sie wieder zur Jungfrau Maria. „Sie hat sich bewegt“, meinte sie, und dass sie nun darauf warte, dass sie es wieder tun werde. „Die Statue hat sich bewegt?“ Ich war mir nicht sicher, ob ich richtig gehört hat. Hat sie, sagte die Frau. Sie habe es ganz genau gesehen, mit ihren eigenen Augen, heute Mittag. Und sie werde hier warten, bis sie es wieder tun würde.

    Nun wissen wir alle, dass Irland ein so wunderschönes wie wundersames Land ist, es gibt hier regenfreie Sommertage und mittlerweile sogar fantastisches Essen, also, hey: Warum sollte es keine Statuen geben, die sich bewegen? Im Hotel schaute ich online nach: Offenbar passiert das tatsächlich öfter. In den Achtzigern zum Beispiel bewegte eine Marienstatue in Ballinspittle ihre Hände, jedenfalls wollten das mehrere Menschen gesehen haben, und eine Viertelmillion andere wollten es anschließend gerne ebenfalls sehen. Das arme kleine Ballinspittle wurde von Besuchern überrannt. Bald schon verteilte sich der Andrang glücklicherweise, weil von überall auf der Insel Statuen gemeldet wurden, die sich ebenfalls in Bewegung gesetzt hatten. Mayo, Tipperary, Waterford, Kerry – in kaum einem County schien noch ein Gips- oder Steinheiliger stillzuhalten. 

    Natürlich hatten Experten schnell Erklärungen parat: komische Lichtverhältnisse, Massenautosuggestion, optische Täuschungen. Natürlich glaubte sowas niemand, der glaubte, die Statuen in Bewegung gesehen zu haben. Dennoch war dann alles von einem Tag auf den anderen vorbei, erfuhr ich im Internet, und die Heiligenstatuen hielten wieder still. Ich schlief sehr schlecht in dieser Nacht in Cork. 

    Am nächsten Tag lief ich noch vor dem Frühstück zur Marienstatue. Ein paar Meter davor traf ich die alte Frau mit den meerwasserblauen Augen, mit schnellen Schritten kam sie von der anderen Straßenseite, offenbar wollte sie ihren Beobachtungsposten schon in Allerherrgottsfrühe beziehen. Ach wo, meinte sie, als ich sie darauf ansprach. Sie sah mich an, als würde ich wirres Zeug reden. Sie müsse zum English Market, Fisch kaufen, um diese Uhrzeit sei der am frischesten. Dann lief sie weiter, vorbei an der Marienstatue, die die alte Frau keines Blickes würdigte. Und wenn die sich in genau diesem Moment bewegt hätte – sie hätte es nicht mitbekommen.