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My Ireland

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    Alles Käse!

    Irish Cheese scheint manchmal nicht von dieser Welt zu sein

    Stefan Nink

    Alle reden von Whiskey, Beef und Lachs – dabei stammen die heimlichen Stars der irischen Küche meistens von kleinen Milchviehbetrieben mit glücklichen Kühen und Ziegen.

    Und jetzt bringt die Chefin den Käse, und sie strahlt, und sie lacht, und sie freut sich, als sei das da auf dem Holzbrett alles für sie selbst und nicht für ihre Gäste. Die waren eigentlich nur auf ein Pint in den Pub gekommen, ist ja nur ein winziger Ort, dieses Castletownshend, da wird’s nicht groß was geben. Aber dann wurden frische Muscheln serviert, und Lachs gab es auch, und dazu einen Chablis und Portwein. Und jetzt also Käse. Irischer Käse. Käse von hier, Käse aus dem County Cork. Ein körniger St. Tola, „100 % organic“. Ein Desmond, ein Orla, ein Durrus, allesamt Sorten, bei denen man sich fragt, wieso man eigentlich noch nie im Leben von ihnen gehört hat. Zum Abschluss kommt noch ein geräucherter, pikanter Gubbeen, der angeblich auch aus der Nachbarschaft stammt, aber möglicherweise dann doch eher nicht von dieser Welt ist. Jeder greift zu: Die Einheimischen und die Touristen, die Kellnerinnen und die Musiker, selbst der Barmann bedient sich. Und dann sitzen alle da und kauen und schweigen. Beinahe andächtig schweigen sie. 

    Veganer und Menschen mit Laktose-Intoleranz müssen jetzt ganz tapfer sein, aber es muss endlich mal gesagt werden: Wer nach Irland reist und keinen Käse isst, dem ist nicht zu helfen. Wirklich nicht. Und es gehört zu den himmelschreienden Ungerechtigkeiten der kulinarischen Welt, dass der irische Käse ein solches Schattendasein fristen muss hinter all den Lachs- und Beef- und Whiskey-Stars der Insel. Was gibt es hier Kracher! Der fast schon fließende Cashel Blue aus dem County Tipperary, oder der leicht süßliche Dubliner aus – genau, oder der Collea aus dem County Cork, Irlands Antwort auf den holländischen Gouda. Der strengriechende, aber hauchzarte Ardrahan. Der Blarney Castle, der offenbar erfunden wurde, um ihn bei einem Glas Sauvignon Blanc zu genießen. Und natürlich der Gortnamona und der Gleann Óir und der Cooleeney aus der Nähe von Thurles: Ach, man könnte wegen all der Sorten allein nach Irland fahren! 

    Wenn man alles durchprobiert hat, muss man zum Schluss natürlich testen, ob man die Namen behalten hat. Und ob man sie auch nach zwei oder drei Pints noch halbwegs fehlerfrei aussprechen kann. Probieren Sie es mal: Durrus, Gortnamona und Gubeen. Klappt bestimmt.